Die drei Musketiere

Die drei Musketiere

 

Darf ich vorstellen: Athos, Porthos und Aramis.  Diese 3 abgemagerten Würmchen habe sie entdeckt, als wir die anderen Hunde fangen wollten damit sie kastriert werden, wenige Meter von uns entfernt. Sie bekommen jetzt täglich von mir Futter und Wasser. Impfungen habe ich schon abgeklärt...Die werden nächste Woche gemacht, nachdem sie etwas zu Kräften gekommen sind und mehr Vertrauen zu mir gefasst haben.

 

 

Nachzwei Tagen  haben die Welpen bereits schöne dicke Bäuchlein bekommen. Ich habe heute auch die Mama kennengelernt. Zu erst war sie garnicht begeistert mich so nahe an den Babys zu sehen, aber nach nicht mal 5 Minuten hat sie mir aus der Hand gefressen und sich streicheln lassen. Die Jungs haben liebe Paten gefunden, die sie von Deutschland aus unterstützen. Vielen Dank an Toni Vent und Katrin Höchst für eure Unterstützung.


Die traurige Geschichte über die Musketiere.


 

Der erste Vorfall hat nicht lange auf sich warten lassen. Bei der täglichen Fütterung kam Athos nicht wie immer fröhlich zu mir angerannt. Ich entdeckte ihn  humpelnt, mit Bisswunden, starker Schwellung an der Schulter und Blutungen am Bauch. Ich vermute sein Bein ist gebrochen und fuhr sofort mit dem kleinen Athos in eine Klinik.

 

In der Klinik teilte mir eine junge Ärztin mit, dass Athos gebissen wurde. Die Schwellung kam durch die Bisswunde zustande, da das Blut nicht abfließen konnte. Die Wunden wurden alle versorgt und Athos bekam und bekommt in den nächsten Tagen Tollwutimpfungen und Schmerzmittel. Es besteht ein großes Risiko, dass der Hund der ihn angegriffen hat, Tollwut hatte. Athos bleibt zur Beobachtung bei uns.

 

 

 

Indien ist eins der Länder mit höchstem Tollwut Risiko. Jährlich sterben tausende Hunde und Menschen daran. Die Impfungen werden ihm helfen. Ich habe es rechtzeitig behandeln lassen. Er muss in den nächsten Wochen mehrere Injektionen über sich ergehen lassen. Jetzt schlummert das Häufchen Elend im Körbchen bei uns auf der Trasse.

 

Video: Athos hat Schmerzen und ein Abszess an der Schulter.

 

Leider hat sich der Zustand nach drei Tagen nicht verbessert. Der Schulterbereich schwoll weiter an, der kleine Hundemann hatte kaum Appetit und es ging ihm ersichtlich nicht gut. Ich habe mir seine Brüder geschnappt (wegen Impfung) und bin erneut zur Klinik. Dort musste der Abszess geleert werden. Athos hat Fieber und sein Beinchen ist doch, wie ich zu erst vermutet habe gebrochen.

 

Man kann die Fraktur deutlich fühlen. Die  Ärztin, der ich Athos vor zwei Tagen vorgestellt habe, hat leider falsch diagnostiziert. Dr. Bharath und Dr. Shankari waren an dem Tag nicht im Hause. Morgen wird er geröntgt und weitere Behandlungsmöglichkeiten besprochen.

 

 

Bei der Gelegenheit, habe ich gleich im Anschluss seine Brüder impfen lassen. Sie kommen sofort wenn ich sie rufe zu mir angerannt und lassen sich auch nach 4 Tagen streicheln, somit war es klein Problem sie zu fangen. Link: Impfnachweise.

 

Video:Die Musketiere kommen sofort auf Rufen zu mir angerannt.

 

 

Athos ist heute morgen aus dem Garten ausgebüchst. Er hat auch über die Nacht sehr viel geweint. Der Abszess ist wieder voll. Ich musste ihn sauber machen. Er kratzt sich dort und der ganze Schmutz gelangt immer wieder in die Wunden.

 

So kann nichts heilen. Die Tamponade hat er sich auch rausgezogen. Aber schön zu sehen, was für ein kleines hübsches Schokonase- Schneebällchen dadrunter steckte, unter dem ganzen Schmutz.

 

Die Wunde wurde gereinigt, Röntgebilder gemacht und Fraktur diagnostiziert. Athos und wird heute zurück zur seiner Familie gebracht. Er ist ja heute ausgebüchst und das wird wieder passieren. Wenn ich ihn nicht wieder finde, sieht es schlecht aus und er kann nicht behandelt werden. An der Stelle wo er geboren wurde, bleibt er. Es gibt viele Stellen im unseren Garten, wo er durchpasst und weg laufen kann. Das ist mir zu riskant, er hat eine Fraktur und Infektion. Das könnte fatal enden für Athos.

 

Dr. Bharat teilte mir mit, dass der Bruch  in ca 4 Wochen verheilt ist, er ist noch sehr jung. Ich gehe zwei bis drei mal täglich dorthin, werde ihm Medikamente verabreichen und mich um ihn kümmern. Er fühlt sich im Garten alleine und vermisst seine Familie. Das psychische Befinden der Tiere, beeinflusst den Heilungsprozess ebenfalls. Seine Familie und die vertraute Umgebung wird ihm dabei helfen schnell wieder gesund zu werden. Link: Röntgenbild.

 

Video: Athos. Der Abszess wird geleert.

 

 

Athos ist zurück bei seiner Familie in der vertrauten Umgebung. Der Schwanz hörte garnicht auf zu wedeln. Er roch aber zu gut für die drei, se waren sehr zu erst sehr skeptisch. Jetzt gibt es für alle Abendessen und Medikamente für Athos.

 

 

ResQ war heute da und der Verband wurde gewechselt. Athos hat immer noch nicht gefressen und getrunken, bekam dafür eine Injektion. Hoffe es geht ihm bald besser. Meine Freundin Jenny und Käuferin von Lilly aus dem Testwurf ist heute aus Deutschland zu uns nach Pune gereist und hat mich zu den Hunden begleitet. 

 

Leider verbessert sich der Zustand von Athos trotz Medikation nicht, er verweigert weiterhin das Fressen und Trinken. Resq war heute erneut wieder da. Er muss Infusionen bekommen.

So habe ich Athos heute morgen vorgefunden.

Jetzt steht es andeutig fest, dass Athos von einem tollwütigen Hund angegriffen wurde und infiziert ist. Ich habe schon gestern festegstellt, dass er keinen Schluckreflex mehr hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Somit fuhr ich sofort mit ihm direkt zu Dr. Bharath in die Klinik. Es war mir aber nicht möglich gewesen, jemanden dazu zu bewegen in die Klinik zu kommen. Auch anderen Tierärzte waren nicht bereit zu helfen. Eine Passantin hat versucht mir zu helfen, als sie mich da weinend vor der Klinik stehen sah und rief Tierärzte aus der Umgebung an. Am Sonntag ist leider kaum jemand erreichbar.

 

Athos muss erlöst werden!

 

Er quält sich seit Tagen so sehr und baut zusehend ab. Er ist nur noch Haut und Knochen.  Frisst und trinkt seit Tagen nichts, seine körperliche Verfassung ist katastrophal und er liegt nur apathisch zusammengerollt. Nach 2 Stunden haben wir uns aufgrund einer Empfehlung auf dem Weg zur einer Organisation 'People for animals' gemacht. Er kann  nicht länger da bleiben wo er ist. Der Virus stellt für alle dort lebenden Menschen und andere Hunde eine Lebensgefahr dar.

 

Athos wurde bei 'People for animals' von zwei Tierärzten untersucht und die Tollwut wurde bestätigt. Ich habe dem kleinen Schatz noch ganz viel Wärme und Liebe gegeben in seinen letzten Minuten.

Der kleine Athos wurde erlöst....

Nach sechs Stunden Dauerstress und qualvollen Tagen, habe ich den kleinen Schatz zu den Engeln fliegen lassen.

 

 

 

 

 

 

Es übergeht mich immer wieder unendliche Trauer. Ich sehe diese wunderschöne gelb-grüne Augen und wie sie innerhalb von Sekunden star werden. Das wird mich noch sehr lange verfolgen. Ich kann mir auch nicht erklären und habe es nicht verstanden, warum ich das Gelände der Organisation verlassen musste und das Einschläfern nicht auf dem Gelände passieren durfte. Der Arzt sagte noch zu mir: ich soll Athos selbst "entsorgen" . Das war einfach zu viel.

 

RIP kleiner Athos, es tut mir so furchtbar Leid, dass ich dich nicht retten konnte.

 

Ich bin so unsagbar traurig und erschöpft zugleich von der ganzen Situation. Man hat mir wieder ein Stück aus der Seele herausgerissen. Ich kann auch nicht verstehen warum kein Arzt Zeit hatte um zu Helfen. Ich konnte den kleinen doch nicht zurück in sein Revier bringen. Obwohl es mir genau das von den Tierärzten empfohlen wurde - erst am Montag wollte man Athos einschläfern. Diese armen Menschen dort sind nicht geimpft und da leben kleine Kinder! Unvorstellbar was das für Folgen hätte haben können!!!

 


Leider sind Kratzer von Athos scharfen Zähnchen vor drei Tagen an meinem Finger entstanden, als ich ihm Tabletten in den Rachen eingeführt habe. Somit musste unverzüglich gehandelt werden. Ich fuhr ins Krankenhaus und bekam zu erst in der Notfallaufnahme eine Tollwutimpfung.

 

Man unterscheidet zwischen Impfungungen die prophylaktisch gemacht werden und Impfungen nach Tollwut - Exposition, das heißt nach Biss- und Kratzverletzungen. Ich bin vollständig geimpft gegen Tollwut. Man impft aber zusätzlich Personen trotz eines vollständigen Impfschutzes nochmal, direkt nach dem Kontakt mit Tollwut verdächtigen Tieren und das ist heute passiert. Nach 3 Tagen wird es wiederholt.

 

 

Ich habe zusätzlich via Email Dr. J. vom Gesundheitsamt Unna kontaktiert und um Rat gefragt. Er hat uns vor der Reise nach Indien geimpft. Er warnte mich, derartigen Risiken nicht mehr einzugehen, es wäre zu gefährlich.

 

Ich hätte im Juni nachimpfen lassen müssen um 100 % Schutz zu haben. Da das nicht passiert ist und da ich eine kleine Kratzwunde von einem tollwutigen Hund habe, hilft eine einfache Nachimpung wie es gestern der Fall war, angeblich nicht. Man weiss ja nicht ob ich überhaupt ausreichend Titer habe. Es besteht somit ein Risiko das ich mich mit dem Virus infiziert habe.

 

In dem Fall injeziert man Immunglobulin. Die Injektion muss innerhalb von 10 Tagen nach der Verletzung stattfinden. Das Antitollwutserum sorgt dafür das der Virus nicht bis zum zentralen Nervensystem fortschreitet.

 

 

Zu erst wird getestet ob ich allergisch auf das Antiserum reagiere. Dann wird das Serum mehrfach um die Wunde gespritzt. Also sowas wünsche ich niemanden! Ich habe meinen Finger nicht mehr gespürt...Rechts und Links in die Hüften wurde ebenfalls injeziert. Zusätzlich bekomme ich in den nächsten Tagen nochmal Rabipur in den Oberarm.

 


 

Es sind leider nur noch zwei Musketiere da, dafür proper wie für drei. Kein Vergleich zum 03.07 als ich sie entdeckt habe. Leider hatte ich am nächsten Tag das Handy nicht dabei um ein Foto machen zu können, denn so hätte ich zeigen können, dass Porthos eine sehr enge Schlinge am Hals hatte, die ich unverzüglich entfernt habe.

 

Zum einem weil sie viel zu eng gebunden war und zum zweiten, weil es auf der Baustelle überall Dinge herum liegen, wo er sich strangulieren könnte. Ich wurde sofort lautstark darauf hingewiesen die Schlinge nicht zu entfernen. Als ich erklärt habe warum sie entfernt werden muss, hat mir der Bauarbeiter mitgeteilt das es sein Hund wäre und ich hätte das nicht zu entscheiden.

 

Seit 17 Tagen füttere und verpflege ich die Hunde dort. Sie waren Haut und Knochen, als ich sie gefunden habe. Ich habe sie impfen lassen und sie haben medizinische Versorgung bekommen. Ich habe diese Menschen dort davor bewahrt sich mit einem tödlichen Virus zu infizieren. Ich hatte noch vor, die Mutter jetzt die Tage kastrieren zu lassen. Jetzt sind das Hunde über die ich nicht bestimmen darf. Man hat mich  sogar der Baustelle verwiesen!

 

 

Meine indischen Freunde und ResQ haben mir dringen davon abgeraten weiterhin zu den Hunden zu gehen - es könnte für mich gefährlich werden. Es wären einfache Menschen und sie könnten aggressiv reagieren. Mag sein und ich werde es beherzigen, aber nicht ohne worher die Mutter kastriert zu haben. Somit habe ich die Hündin "entführt".

 

Das ging wirklich ganz schnell:  Es hat stark geregnet und niemand war Draußen. Ich habe der Hündin ein Halsband umgelegt, während sie genüsslich Pizza verschlungen hat. Dann am Halsband ins Auto gezerrt. Es hat keine zwei Minuten gedauert. Ich war trotzdem richtig am zittern, denn ich wusste ja nicht wie sie reagiert und ob sie mich beisst. Dazu noch die Angst da vor den Bauarbeitern dort. Aber es ist alles gut gegangen. Sie ist so ein lieber Hund und hat das alles wunderbar mitgemacht.

 

Constance (so habe ich die Mama genannt) wurde in der Klinik von Dr. Bharath operiert. Der Tierarzt hat übrigens viele kleine Tumore in dem operierten Bereich gefunden. Somit haben wir ihr vermutlich mit der Kastration und Entfernung der Gebärmutter das Leben gerettet.

 

 

Constance durfte sich im Anschluss auf der Terrasse bei uns im Garten erholen. Sie hat die Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten genossen. Nach wenigen Tagen habe ich sie zu ihren Kindern zurück gebracht (abends im dunkeln). ResQ hat mir nochmals dringend davon abgeraten dorthin zu gehen, wo die Hundefamilie lebt.

 

Ich möchte mich nochmal herzlich bei Toni Vent und Katrin Höchst bedanken, dass ihr trotz der traurigen Umstände und nach Beenden der Patenschaften, mir trotzdem eure Gelder überlassen habt. Sie wurden sinvoll und ausschließlich für die anderen Strassenhunde eingesetzt.

 


               EINDRÜCKE EINER FREUNDIN